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Sieh hin und hilf!

KIND im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft

| Kategorien: Jahresprogramm

Von einem (Lions)Abend mit Martin Kind geht zunächst einmal eine sehr große Erwartungshaltung aus, da unser Gast am 17. Juli 2017 über seine zahlreichen Unternehmungen, Aktivitäten, Engagements und öffentlichen Auftritte mit zu den bekanntesten Persönlichkeiten in der Region Hannover gehört. Spontan assoziiert man automatisch zunächst mit dem Namen Martin Kind seinen Herzblut-Einsatz bei und mit dem inzwischen wieder erstklassigen Fußballverein Hannover 96.

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Dass „die Marke KIND“ jedoch unternehmerisch und insbesondere auch persönlich für weitaus mehr steht als für Fußball, belegte der langjährig erfolgreiche Hörgeräteunternehmer und die gestandene Persönlichkeit mit einer Bestandsaufnahme und seiner Einschätzung zu Politik und Wirtschaft. Mit ganz besonderem Interesse sah unser Club-Präsident Erich Barke in seinen einführenden Worten auch den Ausführungen zur Wissenschaft entgegen. Ein Bereich, für den Martin Kind und sein Umfeld nicht zwangsläufig und in erster Linie gesehen werden.

Wie würde also der inzwischen deutlich über 70 Jahre (wie er selbst anmerkte, obwohl es ihm nicht anzumerken ist) alte Referent Kind diesen Spagat zwischen einerseits „in der Fußballecke stehen“ und sich trotzdem kompetent und seriös zu Wirtschaft und Politik erklären, meistern?

Ganz einfach: Im Hinblick auf die Exzesse des Fußballs erklärt Martin Kind zunächst,

Die Gesellschaft ist verrückt, wir leben aber von der Realwirtschaft, davon lebe auch ich!“

Und damit eröffnete „Der ältere Herr“ (weiteres persönliches Zitat von Herrn Kind) seinen interessanten Reigen durch Politik und Wirtschaft. Er legte dabei einen besonderen Focus auf die Bedeutung des deutschen Mittelstandes und dessen Betriebe – insbesondere die Familienbetriebe – und beschrieb eindrucksvoll die daraus resultierenden Erfolge für die Gesamtwirtschaft Deutschlands.

So sei die Kultur eines Familienbetriebes gänzlich anders, als die einer Aktiengesellschaft. Problem der Familienbetriebe, so wurde offen eingeräumt, sei aber…die Familie! In seinen eigenen Unternehmen konnte er dies mit den inzwischen 44 und 42 Jahre alten Söhnen persönlich erfahren, die – wen wundert es – sehr eigene Vorstellungen vom eigenen beruflichen Leben hatten, bevor einer der Söhne dann doch noch den Entschluss fasste im Betrieb der Familie zu arbeiten. Inzwischen leitet dieser mit nachgewiesenem Erfolg das Gesamtunternehmen und hat dieses bereits zu 90% übernommen.

Die besondere Rolle des deutschen Mittelstandes könne man insbesondere am Anteil zum Bruttosozialprodukt (99,3%) und an der Rolle der vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) ablesen, die beachtliche 61% aller Arbeitnehmer beschäftigen. Dies ist aus seiner Sicht auch eine der wesentlichen Erklärungen dafür, dass die deutsche Wirtschaft die Wirtschaftskrise ab 2009 so robust überstanden hat.  Allerdings beträgt der Anteil der KMUs am Außenhandel lediglich 17%, was noch verbesserungswürdig erscheint, so Kind.

Den immer wieder international kritisierten Außenhandelsüberschuss der Bundesrepublik erläuterte Martin Kind anhand einer aktuellen Studie der Universität St. Gallen. Danach beheimatet Deutschland beachtliche 50% aller weltweiten KMUs von zurzeit 2.800 Unternehmen. Eine weitere große Stärke des Mittelstandes sieht Martin Kind in der starken Eigenkapitalausstattung der Unternehmen, letztendlich ein Ergebnis von verantwortungsvoller Unternehmerpolitik, aus der ein Großteil erzielter Gewinne konsequent reinvestiert wird.

Ähnlich dem Altkanzler Gerhard Schröder benutzt Martin Kind während seiner Vorträge wenig Vortragsmaterial. Der komplette Verzicht auf Folien und sonstige Medien machte es für den derzeitigen Sekretär besonders herausfordernd, die Kernaussagen seines freien Vortrages (wenn auch nur auszugsweise) wiederzugeben und die gekonnten Zwischentöne zu Papier zu bringen.

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Für den interessierten Leser folgen an dieser Stelle einige Daten und Fakten zum

Hörgeräte-Unternehmen Kind:

  • Das Herstellungsunternehmen Kind sitzt in Thüringen und liefern inzwischen in 66 Länder der Erde
  • Mehr als 10% vom Umsatz werden regelmäßig in Forschung und Entwicklung investiert
  • Zum heutigen Retail-Unternehmen Kind gehören 650 Fachgeschäfte für Hörgeräte. Trotz Marktführerschaft soll das Netz auf 800 – 900 Läden ausgebaut werden.
  • Mit dem erfolgreichen Werbeslogan „ich hab´ ein Kind im Ohr“ werden heutige Hightech-Hörgeräte vermarktet, die kosmetisch attraktiv und in der Gesellschaft akzeptiert sind
  • Größtes Wachstumshindernis für Kind-Hörgeräte: Das Finden von qualifiziertem Personal

 

Alles, was man nicht verhindern kann, muss man gestalten“

Obwohl technologische und gesellschaftliche Entwicklungen nicht automatisch jede Branche gleichzeitig treffen, sieht Martin Kind eine große Notwendigkeit für Offenheit gegenüber neuen Möglichkeiten und innovativen Entwicklungen. So erläuterte er am Beispiel der Künstlichen Intelligenz (KI), dass sich auch sein Unternehmen daraus hervorgehender Möglichkeiten widmen muss. Durch seinen Hinweis, dass Kind-Hörgeräte dauerhaft mit zwei Universitäten kooperiere (eine davon Ilmenau) kamen nicht nur die vielen Zuhörer auf ihre Kosten, sondern auch unser Präsident. Kind hatte „auch einen Beitrag zur Wissenschaft“ geliefert!

Als Zusammenfassung des Spannungsbogens im Titel seines Vortrages wählte Martin Kind den Blick auf das im Grundsatz vorbildliche deutsche Gesundheitswesen, dass zwar komplett reguliert ist, ihm selbst aber auch keine bessere Alternative bekannt sei. Die Freiheit der Unternehmen ist ihm zu stark eingeschränkt und er wünsche sich „Mehr Mut zu Deutschland“.

Schlagfertig, kurzweilig, spontan und professionell, so könnte man den ersten Vortragsteil von Martin Kind mit gutem Gewissen überschreiben, fehlt nur noch…natürlich:   Fußball!

 

Fußball – Showgeschäft

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Martin Kind als amtierender Präsident und Mitgesellschafter von Hannover 96 widmete sich zum Ausklang des offiziellen Abends sehr offen und selbstkritisch der berühmtesten Marke unserer Stadt. Natürlich durfte dabei eine Schilderung aus berufenem Munde zu Abstieg und Wiederaufstieg der Mannschaft von Hannover 96 nicht fehlen.

Das war für uns alle, insbesondere für mich selbst, sehr schmerzhaft und hat – Dank Gottes Hilfe von Bielefeld und Braunschweig – geklappt.“

Neben allen emotionalen Schwierigkeiten führte der Abstieg von Hannover 96 vor einem Jahr auch zu einem beachtlichen wirtschaftlichen Verlust von ca. 10 Mio €, was automatisch das Eigenkapital des Vereins in etwa in gleicher Höhe verringerte. Für Spielereinkäufe für die nächste Saison stehen entsprechend messbar weniger Mittel zur Verfügung, was Kinds Saisonziel 2017/18 „Klassenerhalt in der 1. Liga“ erklärte.

Trotz des in jeder Hinsicht schwierigen letzten Jahres investierte der Verein mit 18 Mio € Netto in das neue Nachwuchs-Leistungs-Zentrum, das künftig pro Saison 1-2 talentierte Spieler für die erste Mannschaft ausbilden soll, weil nur dann eine dauerhafte Wirtschaftlichkeit gegeben ist.

Der interessante Einblick in eine, im Gegensatz zur Realwirtschaft, völlig andere Welt endete mit den Hinweisen von Martin Kind, dass Hannover 96 auch im Breitensport der Stadt Nr. 1 sein will, die Stadt-Offiziellen mögen doch aus den erheblichen Marketingmitteln 96 unterstützen und damit den hohen Bekanntheitsgrad nutzen und…welche Überraschung…es sind noch Dauerkarten da!

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Der Lions Club Hannover bedankte sich bei Martin Kind mit einer Fülle von (Fußball)Fragen und beauftragte zum Ausklang unseren Präsidenten mit der Übergabe eines Weinpräsentes, was der Durch-und-Durch-Sportler und Nichttrinker Kind mit einem Augenzwinkern annahm:

Na ja…meine Frau trinkt ja“.